Einladung der Initiative Denkwerk-Handwerk zur

Schulung „Schraubverbindungen im modernen Holzbau“

Die Qualität eines fertigen Bauwerks hängt wesentlich von der Zusammenarbeit der Planenden und Ausführenden ab. Die Initiative Denkwerk-Handwerk hat sich zum Ziel gestellt das gegenseitige Verständnis der am Bau Beteiligten zu vertiefen, den Holzbau in Sachsen gemeinsam weiter zu entwickeln, und fühlt sich dem Netzwerkgedanken verpflichtet. Denkwerk-Handwerk ist integraler Bestandteil der Initiative Holzbau.Kompetenz.Sachsen (HKS). Zu einer vertieften Zusammenarbeit zwischen Handwerk, Ingenieuren und Architekten soll unsere Schulung „Schraubverbindungen im modernen Holzbau“ beitragen.

Termin: 22. Oktober 2021

Ort: Blockhausen https://www.blockhausen.de/oeffnungszeiten/anfahrt/

Veranstalter: Denkwerk-Handwerk in Kooperation mit Ingenieurkammer Sachsen, Handwerkskammer (Sachsen), Landesinnungsverband des Zimmerer- und Holzbaugewerbes für Sachsen. Gefördert durch die Holzbau Kompetenz Sachsen GmbH.

Teilnahmegebühr:

(inklusive Mittagessen, Kaffee und Getranken während der Schulung, exklusive Getränke beim grillen im Anschluß)

Teilnehmer aus Betrieben mit nicht mehr als 4 Handwerkern zahlen je 95€,

Teilnehmer aus Betrieben mit mehr als 5 Handwerkern zahlen je 115€,

Architekten/Ingenieure ebenfalls 115€ je Teilnehmer.

Die Ingenieurkammer Sachsen erkennt die Veranstaltung als Weiterbildung an.

Hinweis: Übernachtungen sind im rustikalen Ambiente von Blockhausen selbst möglich, oder klassisch im Hotelzimmer in den benachbarten Orten von Blockhausen. Diese müssen bei Bedarf selbst gebucht werden. Wir unterstützen sie dazu gern. Bitte Rückfragen an Albrecht Löser unter 0160 97 5499 28 oder write@albrechtloeser.de

Referenten:

Prof. Dipl.-Ing. Olaf Kempe, HTW Dresden

Zimmeremeister Martin Fricke, Thalheim

Dipl.-Ing.(FH) Stephan Bertagnolli von der Firma Rothoblaas

Ablauf

9:00 Uhr Kaffee und Begrüßung durch Herr Dipl.-Ing. Albrecht Löser als Veranstalter

9:15 Uhr Prof. Dipl.-Ing. Olaf Kempe

„Chancen und Möglichkeiten der Voll- und Doppelgewindeschrauben im Holzbau der Zukunft – Anwendungen und Bemessung – Theorie“

– typische Anschlüsse und Lösungsmöglichkeiten mit Vor- und Nachteilen

– Kosten Schrauben/Arbeitszeit

– Tragfähigkeit unterschiedlicher Verbindungen

– Methoden des Vorbohrens

– Fehlerquellen und Gefahren bei Falschanwendung

(Die Ausführungen werden sich sehr stark an der Praxis orientieren, so dass sie auch ohne theoretische Vorkenntnisse der spezifischen Normen verständlich sein werden)

10:45 Uhr Kaffeepause

11:00 Uhr Zimmerermeister Martin Fricke

„Anwendungen aus dem Blickwinkel eines Zimmermanns – Erfahrungen & Praxis“

Praktische Ausführung und Demonstration von Tricks und Kniffen (genügend Material an Schrauben und Holz ist vorrätig, damit sich jeder Teilnehmer selbst ausprobieren kann)

12:15 Uhr kleines Mittagessen

13:00 Uhr Herr Dipl.-Ing. (FH) Stephan Bertagnolli von der Firma Rothoblaas

„Fachvortrag über spezielle Schrauben“

14:30 Uhr „Fortsetzung praktisches Schrauben mit Herrn Fricke und Herrn Bertagnoli“

16:00 Uhr Wir bauen gemeinsam eine Da-Vinci- Kugel zusammen. Eine Aufgabe die keiner alleine lösen kann, sondern die nur in Zusammenarbeit machbar ist.

17:00 Uhr Abschluss mit grillen, bei dem wir in ungezwungender Form ins Gespräch kommen können (Bratwurst und Steak sind inklusiv, Getränke exklusiv).

Um die praktischen Übungen auch sinnvoll durchführen zu können ist die Teilnehmerzahl auf 40 Personen limitiert. Der Platz gilt als reserviert mit dem Eingang der Zahlung.

Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes. Das Sächsische Staatsministerium für Regionalentwicklung (SMR) unterstützt das Projekt im Rahmen der Zukunftsinitiative simul+.

Ermächtigter Sachverständiger

Seit Oktober 2020 bin ich bei der VBG als Sachverständiger für die Prüfung sicherheits- und maschinentechnischer Einrichtungen für Bühne für Erst – und Wiederholungsprüfung gelistet (B1 & B2)

https://www.vbg.de/DE/3_Praevention_und_Arbeitshilfen/1_Branchen/10_Buehnen_und_Studios/9_ermaechtigung_sachverstaendige/1_liste_ermaechtigte_sachverstaendige/1_liste_ermaechtigte_sachverstaendige_node.html

_________________________________________________________________

Schulung „Besseres Verständnis für die Holzbau-Norm (EC5)“ am 6. und 7. März 2020 an der HTW Dresden

Zeit:
Freitag, den 6. März 11 Uhr bis 17 Uhr + Samstag, den 7. März 9 Uhr bis 13 Uhr an der HTW Dresden Raum S128

Diese zweitägige Veranstaltung zielt darauf ab, in einem begrenzten Kreis von ca. 15 bis 25 Teilnehmern intensiv praktische Beispiele zu beleuchten, sowie mit Hintergrundinformationen über Verfahrensweisen des EC5 das Verständnis für die Nachweisverfahren zu vertiefen. Der Teilnehmerkreis wurde bewusst begrenzt, um den Teilnehmenden auch die Möglichkeit zu geben, eigene Unklarheiten anzusprechen und diese in diesem Kreis zu besprechen.

Inhalt der Veranstaltung:
Herr Professor Kempe wird für den Großteil der Veranstaltung über den EC5 sprechen und auch praktische Beispiele vorrechnen. Besonderes Augenmerk wird auf folgende Punkte gelegt:

  • Idee des Bemessungskonzeptes im Holzbau
  • Nachweise der Tragfähigkeit auf Zug, Druck und Biegung
  • Stabiltiätsnachweise infolge Knicken und Kippen
  • Nachweise der Verbindungen
  • Nachweise der Gebrauchstauglichkeit infolge Verformungen und Schwingungen.
  • Hinweise zur Dauerhaftigkeit von Holzkonstruktionen

Es wird immer Raum für Fragen geben. Professor Kempe wird nach Möglichkeit darauf eingehen. Wir hoffen auf eine rege Mitarbeit der Teilnehmer.
Abgerundet wird die Veranstaltung durch 2 Vorträge von jeweils ca. 30 bis 45 Minuten. Zum einen wird es einen Vortrag über die Möglichkeiten moderner Schraubverbindungen im Holzbau geben, zum zweiten wird der Architekt Herr Stenzel das Projekt eines mehrgeschossigen Wohn – und Geschäftshaus in Leipzig vorstellen, welches massiv aus Holz errichtet wurde und 2019 mit dem Holzbaupreis des Landes Sachsen ausgezeichnet wurde.

Der Preis pro Teilnehmer beträgt 180 €. Die Veranstaltung wird als simul+Werkstatt durch den Freistaat Sachsen gefördert.

Die Veranstaltung wird von der Ingenieurkammer Sachsen mit 12 UE anerkannt.

Die Schulung wird organisiert durch das Ingenieurbüro Albrecht Löser. Für die Anmeldung oder bei Fragen schreiben sie bitte an write@albrechtloeser.de oder rufen die Nummer 0160 97 54 99 28.

Für das leibliche Wohl während der Schulung ist gesorgt.
Am Freitag Abend gegen 19 Uhr wird es die Möglichkeit eines Erfahrungsaustausch mit anderen Teilnehmern in einem lockeren Beisammensein geben.


Aufbruch in neue Gewässer

Schiffe!? Wie war das als kleines Kind in ein Boot zu steigen? Das wackelt, das bewegt sich fort, nichts ist sicher. Trägt es wirklich? Das Gefühl, die Dinge kontrollieren zu können, ist weg. Die Menschheit hat Schiffe gebaut lange bevor sie verstanden hat warum sie funktionieren. Auch wenn wir heute verstehen, warum Schiffe schwimmen, eine gewisse Magie bleibt. Auch sind sie Symbol für Fernweh. Und was passiert mit einer Gruppe von Menschen, die auf einem Schiff sich nicht entkommen können? Ein interessantes Setting für jede Regie. Kein Wunder das Regisseure und Bühnenbildner gerne auf Schiffe als Teil des Bühnenbildes zurückgreifen. Aber wenn wir ehrlich sind, sind Schiffe die bühnenfüllend sind und nicht als ein Bauteil gefertigt sind, ein schwieriges Feld im Dekorationsbau. Wenn dem Bühnenbildner keine gute Abstraktion gelingt, sehen sie oft mehr nach Bühnendekoration als nach Schiff aus. Aber vielleicht wird sich das ändern. In immer mehr Theaterwerkstätten halten moderne 5-Achs CNC-Fräsen Einzug.

Szenenfoto Andrea Helbig

Als mich im März 2019 Sebastian Bogatu, der TD der Oper Zürich, gefragt hat, ob ich ein Schiff von bühnenfüllender Größe für die Oper Zürich konstruieren kann, habe ich spontan zugesagt. Das Schiff ist der Hauptbestandteil eines Bühnenbildes von Franziska Bornkamm für die Inszenierung Csardasfürstin unter der Regie von Jan Philipp Gloger.

Moderne CAD-Systeme können ganz gut mit Freiformflächen umgehen, aber es muss ja am Ende durch die Werkstätten auch herstellbar sein. Deshalb war eine meiner ersten Fragen: Wer soll das Schiff am Ende bauen? Da die Kapazitäten der operneigenen Werkstätten in Zürich erschöpft waren, musste es fremd vergeben werden. In dem Moment habe ich sofort an die Firma Lichtblick-Bühnentechnik in Hohen Neudorf bei Berlin gedacht. Jörg Schildbach, der Inhaber, ist ein mutiger Unternehmer, der immer offen ist für neue Ideen und Wege und er besitzt in seiner Firma eine große 5-Achs CNC-Fräse. Die Grundidee, die Formen aus dem CAD direkt an die CNC-Fräse zu übergeben, war schon länger in meinem Kopf als Möglichkeit, neue Wege bei der Fertigung zu gehen. Um so mehr habe ich mich gefreut, dass Jörg Schildbach auch sofort bereit war, diesen Weg mitzugehen.

Das Schiff selber dreht sich um einen festen exzentrischen Punkt und kann durch einen Auszugswagen am Heck um etwa ein Viertel verlängert werden. Darsteller sollen aus der Unterbühne über den Schiffsinnenraum an Board gelangen und brauchen deshalb Platz für Durchstiege an mehreren Positionen. Mit zwei radial um den Drehpunkt angeordneten elektrischen Antrieben ist es ziemlich eng im Schiffsrumpf. Der Kern des Schiffes besteht aus Wagen in klassischer Dekorationsbauweise, gefertigt aus stählernem Quadratrohr in den Transportmaßen der Oper Zürich. Die Grundkörper sind von ihrer Grundform relativ simpel mit geraden Flächen und rechten Winkeln aufgebaut. Nur die Schräge des Schiffdecks wird abgebildet. Die komplizierten Freiflächenformen werden durch die Verkleidung aus Holz abgebildet. Das gesamte Oberdeck dagegen ist eine reine Holzkonstruktion, die mittels CNC–Fräse umgesetzt wurde. Nur so waren die schönen geschwungenen Freiformflächen des Schiffes umsetzbar. Für die Holzkonstruktion wurde eine mit Sperrholz beplankte Rippenkonstruktion gewählt

Zeichnung der Holzkonstruktion

Der Teufel steckt wie immer im Detail. Jörg Schildbach hat bei der ersten Besprechung gesagt, dass er gerne ein Stecksystem will. Kein Messen! Messen kostet Zeit und ist die Quelle von Fehlern. Auch ist bei solchen Freiformflächen ein Einmessen der Bauteile eher schwierig. Deshalb wurde bei der Konstruktion peinlich darauf geachtet, dass alle Bauteile durch ein Stecksystem in ihrer Position bestimmt sind, und wo das zu aufwendig war wurde darauf geachtet, dass mindestens eine eindeutige Kante zum Anlegen vorhanden ist, so dass ihre Position im Raum definiert ist. Grundlage dieser Vorgehensweise ist natürlich, dass das Schiff im CAD mit besonderer Sorgfalt modelliert wird, weil die Fräse genau das fräsen wird, was dort modelliert wurde.

Sprengbild des Stecksystems

Vereinfacht gesprochen wurde der Volumenkörper des Schiffes in 18mm breite, waagerechte und senkrechte Scheiben geschnitten, mit einem Rasterabstand von ca. 500 mm. Die Zwischenräume wurden einfach gelöscht. Was übrig blieb war unsere Grundkonstruktion. Die Kreuzungspunkte der waagerechten und senkrechten Platten mussten alle im CAD ausgeklinkt werden. Diese 18mm starken Platten mit den wilden Formen und den sich immer ändernden Neigungen in den Kanten müssen natürlich für die CNC-Fräse aufbereitet werden. Ist die Fräskante senkrecht zur Platte, dann reicht es eine dxf-Datei zu übergeben. Kompliziert wird es wenn die Fräskante ihren Winkel ändert. Hier müssen die obere und die untere Kontur der Platte plus der Abstand der beiden Konturen übergeben werden. Zusätzlich müssen die Konturen auf die handelsüblichen Maße der Sperrholzplatten sinnvoll verteilt werden. Diese nicht ganz triviale Aufgabe hat Peter Niemann, der Werkstattleiter bei Lichtblick-Bühnentechnik, wunderbar gelöst. Besonders hilfreich war, dass er intensiv mitgedacht hat und kleine Fehler vor dem Fräsen abgefangen hat.

Werkstattfoto

Natürlich ist der Aufwand in der Modellierung und der Vorbereitung für die CNC-Fräse nicht unerheblich. Aber hier ist durch digitale Schnittstellen zwischen CAD und CNC-Fräse, sowie durch sogenannte Nestingtools, die die einzelnen Platten optimiert auf das Ausgangsmaterial verteilen, noch Potential zur Vereinfachung und Beschleunigung. Trotzdem wird diese Bauweise immer eine enge Zusammenarbeit zwischen Konstruktion und Fertigung erfordern. Auch ist es immer gut, wenn mehrere Augenpaare drüber schauen um kleine Fehler frühzeitig zu erkennen.

Wenn die Vorbereitung für die CNC-Fräse geschafft ist, dann geht es ziemlich schnell. Durch das Stecksystem hat in der Tischlerei kaum jemand einen Zollstock in die Hand nehmen müssen. Ein Großteil der Arbeit wird bei dieser Vorgehensweise in den virtuellen Raum verlegt. Die Vorbereitungsphase wird länger, aber dafür die Fertigungsphase kürzer.

Nachdem das Grundsystem zusammengesteckt war, wurde je 3 mm Pappelsperrholz in 2 Lagen aufgetackert und die Überstände abgefräst. Natürlich hat diese Bauart Grenzen bei geringen Radien. Deshalb wurde konstruktiv an einigen Kanten Vollholz eingesetzt, was dann entsprechend dem Volumenkörper abgefräst wurde.

Der komplette Aufbau auf dem Deck ist eine reine Holzkonstruktion aus verklebten Sperrholzplatten (Birke Multiplex, 18 mm). Auch die Treppe und die auskragende Plattform, die von einigen Personen begangen wird, kommen ganz ohne Stahl aus. Selbstredend wurde für die geraden begehbaren Flächen dickeres Sperrholz als 3 mm verwendet. Nur zum Verbinden der fünf Baugruppen wurden – ganz klassisch Dekorationsbau – Stiftbänder verwendet. Mit dieser Bauweise sind beachtliche Festigkeiten zu erreichen. Das zeigt sich auch an dem Bügel auf dem Oberdeck, der mit 5 cm Stärke sehr filigran ausfällt. Die Form ist anspruchsvoller als der erste Blick vermuten lässt, da die beiden senkrechten Wangen nicht parallel sind sondern konisch zueinander stehen, dann aber oben in die Rundung mit konstantem Radius übergehen. Die Wangen parallel zu stellen, hätte das Ganze wesentlich vereinfacht. Dies haben wir im CAD-Modell auch versucht, aber das hätte sehr plump gewirkt und viel von der Eleganz des Bühnenbildes genommen.

Konstruktionszeichnung des Spoilers

Diese Freiformflächen des Schiffs waren durch diese Bauweise überhaupt erst realisierbar. Dieser Bauweise eigen ist, dass die sogenannten Vorbereitungen – 3D-Modellierung im CAD und Übergabe an die CNC-Fräse – einen großen Raum einnehmen. Die eigentliche handwerkliche Ausführung braucht dann aber wesentlich weniger Zeit. Dieser Prozess, der sich überall in Industrie und Handwerk beobachten lässt, wird sich früher oder später auch im Dekorationsbau durchsetzen. Wir sind überzeugt, dass, wenn sich so eine Fertigungskette erst einmal eingespielt hat auch Konstruktionen, die klassisch gebaut werden könnten, in ähnlicher Form gebaut werden – einfach weil es effektiver ist. Als zusätzlicher Vorteil erweist sich die hohe Fertigungsgenauigkeit. Wie man auch auf den Fotos erkennen kann, sind die Schnitte der Transportteilung vorhanden aber doch visuell auf ein Minimum reduziert, so dass man der „perfekten Illusion“ einen Schritt näher gekommen ist!

Szenenfoto Andrea Helbig